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Proteste in Venezuela seit 2014
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Die Proteste in Venezuela begannen mit Aktionen von Studenten und Angehörigen der Mittelschicht, die seit Februar 2014 öffentlich gegen die Regierung Venezuelas unter NicolĂĄs Maduro protestierten.cite-ref-1[1] Die Proteste flauten nach einigen Monaten ergebnislos wieder ab. 2015 errang die Opposition die Mehrheit im Parlament Venezuelas (siehe Parlamentswahlen in Venezuela 2015). PrĂ€sident Maduro versuchte mit allen Mitteln, das Parlament an seiner gesetzgeberischen Arbeit zu hindern. Auch ein demokratisch ablaufendes Referendum zur Abwahl Maduros wurde verhindert, weshalb es 2016 zu landesweiten Demonstrationen kam.cite-ref-referendo16-2-0[2] Die Demonstrationen flammten im April 2017 erneut auf, nachdem Venezuelas Oberster Gerichtshof (Tribunal Superior de Justicia) das von der Opposition dominierte Parlament auflöste und die Gesetzgebungskompetenz auf sich selbst verlagerte.cite-ref-entmachtung-3-0[3]cite-ref-fev-4-0[4] Zwar wurde der Beschluss wenige Tage darauf wegen internationaler Proteste und âauf Bittenâ PrĂ€sident Maduros wieder zurĂŒckgenommen, diese VorgĂ€nge waren jedoch der Grund fĂŒr erneute massive StraĂenproteste gegen die sozialistische Regierung, bei denen im April 2017 mindestens 26 Menschen zu Tode kamen.cite-ref-5[5] Der Protest bekam zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung durch ehemalige und aktuelle Chavisten, als Nicolas Maduro am 1. Mai eine Verfassunggebende Versammlung einberief.cite-ref-vgv-6-0[6]cite-ref-chavistas-7-0[7]cite-ref-fev-4-1[4]
Contents
âą Hintergrund
âą Proteste 2014
âą Proteste 2017
âą Proteste 2019
âą 2014
âą 2017
âą 2019
âą Verlauf 2014
âą Februar
âą MĂ€rz
âą Mai
âą Verlauf 2016
âą September
âą Oktober
âą Verlauf 2017
âą April
âą Mai
âą Juni
âą Juli
âą Dezember
âą Verlauf 2019
âą Januar
âą Mai
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Hintergrund
Proteste 2014
Hintergrund der Proteste waren 2014 eine anhaltende Inflation, hohe KriminalitĂ€t, hohe Korruption (siehe Korruption in Venezuela) und ein Mangel an GĂŒtern des tĂ€glichen Bedarfs. Die Inflation gehörte mit 57 % zu den höchsten weltweit. Das Wirtschaftswachstum ist mit 2 % im Jahr 2013 fĂŒr ein Schwellenland gering ausgefallen, und fĂŒr 2014 wurde sogar eine Rezession befĂŒrchtet. Das Defizit in den Haushaltskassen betrug etwa 11 %. Venezuela sollte anstatt der 90 Milliarden US-Dollar nur maximal fĂŒr 55 Milliarden US-Dollar Ăl exportiert haben. Die Leistungsbilanz wird mit 20 Milliarden US-Dollar angegeben. Jedoch ging man davon aus, dass im vergangenen Jahr die Bilanz um 15 bis 20 Milliarden US-Dollar negativ ausgefallen war. Vor diesem Hintergrund vermuten Experten schon damals, dass das Land zwischen 2014 und 2017 Zahlungsschwierigkeiten bekommen könnte.cite-ref-8[8]
Die Mordrate lag 2014 auf einem sehr hohen Niveau. GemÀà einer SchĂ€tzung waren im Jahr 2012 22.000 beziehungsweise 73 von 100.000 Menschen gewaltsam zu Tode gekommen. Staatliche SicherheitskrĂ€fte sind in vielen Gebieten nicht prĂ€sent oder korrupt, was zur Verbreitung von Selbstjustiz fĂŒhrte. Jeder Dritte soll Umfragen zufolge die Möglichkeit haben, einen Mord in Auftrag zu geben. Die Regierung versucht dem mit einer Null-Toleranz-Politik zu begegnen mit der Folge, dass GefĂ€ngnisse drastisch ĂŒberfĂŒllt sind.cite-ref-9[9] Trotzdem werden, laut Observatorio Venezolano de Violencia, 90 % aller Verbrechen nie aufgeklĂ€rt.cite-ref-lp-venex-10-0[10]
Transparency International listete Venezuela in Bezug auf Korruption auf Rang 165 von 175 RĂ€ngen. Die Regierung hat in den letzten Jahren viele Posten unter ihren AnhĂ€ngern verteilt. 300 Millionen US-Dollar aus den Ăleinnahmen seien wegen der Korruption verschwunden.cite-ref-11[11]
Proteste 2017
Entmachtung des Parlaments
Am 29. MĂ€rz 2017 entmachtete der Oberste Gerichtshof das von der Opposition dominierte Parlament und hob die ImmunitĂ€t sĂ€mtlicher Parlamentarier auf (Urteile 155 und 156).cite-ref-entmachtung-3-1[3] Die gesetzgeberische Gewalt ĂŒbertrug das Gericht auf sich selbst. Die Gewaltenteilung war damit nun auch praktisch aufgehoben. BegrĂŒndet wurde das Urteil mit dem angeblichen Wahlbetrug durch die Opposition bei den Parlamentswahlen 2015 und der Vereidigung der umstrittenen Abgeordneten (welche allerdings vom Parlament selber rĂŒckgĂ€ngig gemacht worden war).cite-ref-12[12] Ohne die dort gewĂ€hlten Abgeordneten war die Zwei-Drittel-Mehrheit der Opposition nicht mehr gegeben. Drei Tage nach der Parlamentsauflösung, am 1. April, hob das Gericht seinen Beschluss âauf Bittenâ des PrĂ€sidenten Maduro teilweise wieder auf. Zuvor hatte neben dem Ausland selbst die als linientreu geltende GeneralstaatsanwĂ€ltin Luisa Ortega DĂaz den Gerichtsbeschluss als verfassungswidrig kritisiert.cite-ref-13[13] Am 7. April wurde OppositionsfĂŒhrer Henrique Capriles wegen angeblicher finanzieller UnregelmĂ€Ăigkeiten in dem von ihm regierten Bundesstaat Miranda ein 15-jĂ€hriges Verbot der AusfĂŒhrung öffentlicher Ămter auferlegt.cite-ref-14[14]
Am 18. August 2017 wurde das von der Opposition dominierte Parlament offiziell entmachtet. Die regierungstreue Verfassunggebende Versammlung nahm ein Dekret an, mit dem das Gremium die Aufgaben des Parlaments ĂŒbernimmt. Damit verfĂŒgt das Parlament ĂŒber keine Entscheidungsgewalt mehr. Gleichzeitig wurden Ermittlungen gegen Julio Borges und Freddy Guevara, PrĂ€sident und VizeprĂ€sident des Parlaments, eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, Widerstand gegen Staatschef Maduro geleistet zu haben. Zuvor hatte die KongressfĂŒhrung sich geweigert, der Verfassunggebenden Versammlung die Gefolgschaft zu schwören.cite-ref-15[15]
Anfang November 2017 entzogen die De-facto-Institutionen Oberster Gerichtshof und die verfassungsgebende Versammlung dem VizeprÀsidenten des De-jure-Parlaments, Freddy Guevara, die parlamentarische ImmunitÀt.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17] Damit folgte ein weiterer Schritt des Maduro-Regimes in der vollstÀndigen Zerschlagung des 2015 gewÀhlten Parlaments.
Verfassunggebende Versammlung
Am 1. Mai kĂŒndigte der venezolanische PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro an, fĂŒr den 30. Juli 2017 eine Verfassunggebende Versammlung (Asamblea Nacional Constituyente) einzuberufen.cite-ref-vgv-6-1[6]cite-ref-fev-4-2[4] Nach Artikel 349 der venezolanischen Verfassung steht solch eine Versammlung ĂŒber allen Institutionen; sie kann somit den Staat neu gestalten, Institutionen auflösen, regieren und die Verfassung neu schreiben. Nach Artikel 347 kann jedoch nur der WĂ€hler eine Verfassunggebende Versammlung einberufen, der PrĂ€sident darf nach Artikel 348 lediglich dem WĂ€hler die Einberufung empfehlen (z. B. durch eine Volksbefragung). Die Tatsache, dass der PrĂ€sident selbst am 1. Mai 2017 die Versammlung einberief, verstĂ€rkte die Proteste. Gewerkschaften, ArbeitgeberverbĂ€nde, Parlament, Studentenvereinigungen und die Staatsanwaltschaft verurteilten die einseitige Einberufung als Staatsstreich.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Die Wahl am 30. Juli 2017 wurde von heftigen Ausschreitungen begleitet. Die Justizbehörden gaben an, dass mindestens acht Menschen getötet wurden, wĂ€hrend die Opposition von 15 Todesopfern ausging. Die Chefin der Nationalen Wahlkommission, Tibisay Lucena, gab an, dass acht Millionen Venezolaner ihre Stimme abgegeben hĂ€tten (41,5 Prozent Wahlbeteiligung). Insgesamt hĂ€tten sich ca. 50.000 Menschen um einen Sitz in der Verfassunggebenden Versammlung beworben, von denen 6100 Kandidaturen fĂŒr gĂŒltig erklĂ€rt wurden. Die Kriterien fĂŒr die Zulassung zur Wahl waren von Maduro aufgestellt worden, der die Wahl als âErfolgâ wertete. Die Wahl wurde von den USA als ârechtswidrigâ angesehen, und es wurden kurz darauf Finanzsanktionen gegen den PrĂ€sidenten beschlossen, nicht aber Sanktionen, die Venezuelas Ălsektor betreffen. Auch Deutschland und die EuropĂ€ische Union kritisierten die Wahl, wĂ€hrend sich Kuba, Bolivien und Nicaragua hinter Maduro stellten.cite-ref-20[20]
Wegen des Verdachts auf millionenfachen Wahlbetrug leitete die GeneralstaatsanwĂ€ltin Luisa Ortega DĂaz Ermittlungen gegen die Regierung und die Wahlbehörde ein. Sie gilt als eines der Gesichter der Proteste und hatte auch Maduros PlĂ€ne fĂŒr eine verfassunggebende Versammlung kritisiert. Die fĂŒr die Wahlcomputer zustĂ€ndige Firma Smartmatic hatte berichtet, dass die Differenz zwischen den tatsĂ€chlich abgegebenen Stimmen und der offiziellen Wahlbeteiligung bei âmindestens eine Millionâ liege.cite-ref-21[21] PrĂ€sident Maduro widersprach den VorwĂŒrfen und die konstituierende Sitzung der neuen Verfassunggebenden Versammlung, die 545 Mitglieder zĂ€hlt, fand am 4. August 2017 statt. Zuvor hatte die Generalstaatsanwaltschaft am Morgen des 4. August einen Eilantrag auf Verbot der geplanten konstituierenden Sitzung eingereicht. Auch der aus SĂŒdamerika stammende Papst Franziskus hatte Maduro dazu aufgerufen, auf die umstrittene Versammlung zu verzichten. In Venezuela sind 95 Prozent der 31 Mio. StaatsbĂŒrger katholischen Glaubens.cite-ref-22[22]
Proteste 2019
InterimsprÀsident 2019
Im Januar 2019 erklĂ€rte sich der PrĂ€sident der Nationalversammlung, Juan GuaidĂł, verfassungsgemÀà fĂŒr den Fall, dass die Regierung ihre Pflichten nicht erfĂŒlltcite-ref-23[23], zum InterimsprĂ€sidenten. WĂ€hrend dieser erneuten StraĂenproteste starben im Januar 2019 26 Menschen alleine innert der vier Tage bis zum 24. Januar,cite-ref-24[24] als der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, GuaidĂł anerkannte, ebenso wie die NachbarlĂ€nder Kolumbien und Brasilien sowie weitere Staaten der OAS. Die Bischofskonferenz Venezuelas hatte die PrĂ€sidentschaft Maduros schon zuvor als illegitim erklĂ€rt und dem Parlament die alleinige AutoritĂ€t und Legitimation zugesprochen.cite-ref-25[25]
Maduro hatte den Amtseid fĂŒr seine umstrittene zweite Amtszeit nicht vor dem Parlament abgelegt, sondern laut der 2017 wegen ihrer Kritik abgesetzten venezolanischen GeneralstaatsanwĂ€ltin Luisa Ortega âverfassungswidrigâcite-ref-26[26] vor dem ihm loyalen höchsten Gericht.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28] Am 15. Januar 2019 erklĂ€rte die Nationalversammlung Venezuelas kĂŒnftige Regierungsentscheidungen fĂŒr nichtig.cite-ref-29[29]
Internationale Reaktionen
2014
Der Papst rief im Rahmen einer Generalaudienz im MĂ€rz 2014 alle Venezolaner zu einem Ende der Gewalt auf und sprach die Hoffnung aus, dass sich Politiker und Institutionen fĂŒr eine nationale Versöhnung einsetzen. Die UNO zeigte sich wegen der Situation in Venezuela besorgt und Ban Ki-Moon forderte die Beteiligten auf, Meinungsverschiedenheiten friedlich auszutragen.cite-ref-30[30]
2017
Am 12. Juli erklÀrte eine Gruppe von EU-Parlamentariern, dass sie die erzwungene verfassunggebende Versammlung nicht anerkennen wird.cite-ref-31[31] Am selben Tag (12. Juli) verabschiedete die Sozialistische Internationale einstimmig eine Resolution, in der Nicolas Maduro aufgefordert wird, die unbefugte Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung abzusagen.cite-ref-32[32]
Am 17. Juli rief die Bundesrepublik Deutschland ĂŒber das AuswĂ€rtige Amt Nicolas Maduro dazu auf, das Ergebnis der informellen Volksbefragung vom 16. Juli anzuerkennen und die verfassungswidrige Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung abzusagen.cite-ref-33[33] Am selben Tag rief auch die EU-AuĂenbeauftragte Federica Mogherini die venezolanische Regierung dazu auf.cite-ref-34[34] Federica Mogherini erwĂ€hnte, dass Sanktionen nicht ausgeschlossen seien, falls die verfassungswidrige verfassunggebende Versammlung tagen sollte. Der PrĂ€sident der USA, Donald Trump, kĂŒndigte konkrete Wirtschaftssanktionen an, falls die zwangsweise einberufene verfassunggebende Versammlung Venezuela verfassungswidrig regieren sollte.cite-ref-35[35]
Am 21. August Ă€uĂerte sich das deutsche AuswĂ€rtige Amt dazu, dass die neue De-facto-Regierung Venezuelas (die verfassunggebende Versammlung) die Gesetzgebungskompetenzen der venezolanischen Nationalversammlung an sich gezogen hat.cite-ref-36[36] FĂŒr das deutsche AuswĂ€rtige Amt ist das âein weiterer Schritt in der systematischen Aushebelung der demokratischen und verfassungsmĂ€Ăigen Ordnung in Venezuelaâ.cite-ref-37[37]
Ende August 2017 prĂ€sentierten die Vereinten Nationen ĂŒber den UNHCHR einen Bericht ĂŒber systematische Menschenrechtsverletzungen und EinschĂŒchterungen von Seiten der venezolanischen SicherheitskrĂ€fte und Regierungsmilizen wĂ€hrend der Proteste im Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juli.cite-ref-38[38] Insbesondere erwĂ€hnt der Bericht, dass bei den Protesten 124 Menschen gewaltsam ums Leben kamen und dass 609 Zivilisten nicht vor zivile Gerichte, sondern vor MilitĂ€rgerichte gefĂŒhrt wurden.cite-ref-39[39]
Anfang September 2017 wurde der PrĂ€sident des venezolanischen Parlaments, Julio Borges, von mehreren europĂ€ischen Regierungschefs (Mariano Rajoy, Emmanuel Macron, Angela Merkel und Theresa May) empfangen, diese sprachen ihm UnterstĂŒtzung bei der friedlichen Wiederherstellung der VerfassungsmĂ€Ăigkeit zu.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43] Diese europĂ€ischen LĂ€nder unterstĂŒtzten auch im Jahr 2019 das Vorgehen des Parlamentes von Venezuela.
2019
Zahlreiche Regierungen (darunter die Mehrzahl der SĂŒdamerikanischen und europĂ€ischen LĂ€nder sowie die USA und Kanada) erkannten Juan GuaidĂł als InterimsprĂ€sident an.cite-ref-44[44] Am 2. Februar fanden in Venezuela und weltweit Demonstrationen statt, um GuaidĂł zu unterstĂŒtzen.cite-ref-45[45]
Verlauf 2014
Februar
Auslöser der Proteste war die versuchte Vergewaltigung einer Studentin am 6. Februar, wobei zuerst in den Andenregionen Studenten auf die StraĂen gingen.cite-ref-lp-venex-10-1[10] Am 12. Februar haben tausende Studenten in GroĂstĂ€dten demonstriert, ebenso AnhĂ€nger Maduros. Wie in sozialen Netzwerken kolportiert wurde, gab es mehrere Verletzte auf beiden Seiten, als SicherheitskrĂ€fte versuchten, die Demonstranten auseinanderzutreiben.cite-ref-46[46] Die StaatsanwĂ€ltin Luisa Ortega DĂaz hat zwei Tote bestĂ€tigt, eines der Opfer erlag einem Kopfschuss.cite-ref-47[47] Am 13. Februar waren wieder tausende Studenten auf den StraĂen. Gegen den Politiker Leopoldo LĂłpez lag ein Haftbefehl vor, und auch sein ParteibĂŒro wurde vom Geheimdienst durchsucht.cite-ref-48[48] Auch Twitter wurde am selben Tag von Regierungsseite manipuliert, da viele Demonstranten Fotos, die die GewalttĂ€tigkeit von Polizisten dokumentierten, hochgeladen haben.cite-ref-49[49] Am 14. Februar kamen erstmals Berichte auf, dass inhaftierte Studenten mit Strom gefoltert wĂŒrden.cite-ref-50[50] Am 15. Februar stellte es sich heraus, dass auch Regierungsgegner Fotos manipulierten. So sind Fotos von Protesten aus Chile beziehungsweise aus Griechenland aufgetaucht, welche angebliche Aktionen venezolanischer SicherheitskrĂ€fte belegten.cite-ref-51[51] Am 14. und 15. Februar blockierten tausende Demonstranten die Autobahn, wobei die Polizei TrĂ€nengas einsetzte.cite-ref-52[52] In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar wurde das Haus von Leopoldo LĂłpez und seiner Eltern vom Geheimdienst durchsucht.cite-ref-53[53] LĂłpez jedoch provozierte die Regierung mit einer Videobotschaft und rief zu weiteren Demonstrationen auf. Sollte er festgenommenem werden, so kĂŒndigte er an, werde die Situation explodieren.cite-ref-54[54] An diesem Tag wurden weitere Menschenrechtsverletzungen bekannt. Es gab VorwĂŒrfe, dass ein Student anal vergewaltigt worden sei. Ein weiterer Student musste in Gefangenschaft seinen EntfĂŒhrer oral befriedigen.cite-ref-55[55]
Erstmals hatten die Proteste auch diplomatische Konsequenzen. Drei Beamte des US-Konsulats wurden aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden das Land zu verlassen.cite-ref-56[56] Am 18. Februar wurden mehrere Demonstranten beschossen, darunter auch GĂ©nesis Carmona, die âMiss Turismo Carabobo 2013â, welche am darauf folgenden Tag ihren Verletzungen erlag. Leopoldo LĂłpez ist von der Nationalgarde nach einer Rede bei einer Kundgebung verhaftet worden.cite-ref-57[57] Im Bundesstaat TĂĄchira hat der venezolanische Innenminister Miguel RodrĂguez Torres am 20. Februar FallschirmjĂ€ger mobilisiert, um die Grenze zu Kolumbien zu schĂŒtzen.cite-ref-58[58] Auch wurden MilitĂ€rflugzeuge und Hubschrauber gesichtet, welche ĂŒber San CristĂłbal flogen.cite-ref-59[59] Am 23. Februar wollte die Regierung den ehemaligen General Ăngel Vivas verhaften. Ihm wurde vorgeworfen, einen Mord begangen und Demonstranten ausgebildet zu haben. 30 MĂ€nner sind daraufhin vor seinem Haus aufgetaucht. Vivas drohte, jeden zu erschieĂen, der sich dem Eingang nĂ€hern werde.cite-ref-60[60] Am 24. Februar wurden in Caracas verschiedene StraĂen von den Demonstranten mit Barrikaden blockiert. Bei Eintreffen der Polizei verschwanden die Demonstranten, um an anderer Stelle neue Barrikaden zu errichten. In Valencia jedoch verteidigten Demonstranten ihre Barrikaden gegen die anrĂŒckende Polizei.cite-ref-61[61] WĂ€hrenddessen wurden in 20 StĂ€dten, welche von oppositionellen BĂŒrgermeistern regiert werden, die Karnevalsveranstaltungen abgesagt. Ungeachtet dessen rief Maduro den 27. Februar zum arbeitsfreien Tag aus.cite-ref-62[62]
Am 26. Februar haben Frauen, die sogenannten Mujeres de Venezuela, zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Bei ihrer Demonstration forderten sie, dass das MilitĂ€r die Gewalt gegen die Studenten einstellen solle. Die Polizei verhielt sich gegenĂŒber den Frauen zurĂŒckhaltend. An der Kundgebung beteiligten sich auch MarĂa Corina Machado und die Ehefrau von LĂłpez, Lilian Tintori.cite-ref-63[63] In TĂĄchira wurde jedoch eine Statue von Hugo Chavez geköpft.cite-ref-64[64] Am 2. MĂ€rz gingen zahlreiche Jugendliche auf die StraĂen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Zudem wurde auch die Freilassung der verhafteten Demonstranten verlangt.cite-ref-65[65] WĂ€hrenddessen entlieĂ Maduro Dutzende Demonstranten und auch eine Journalistin aus der Haft. Insgesamt sollen 20.000 Menschen an dem Tag demonstriert haben.cite-ref-66[66]
MĂ€rz
Am 20. MĂ€rz wurde OppositionsbĂŒrgermeister Vicencio Scarano Spisso in einem Schnellverfahren vom Obergerichtshof zu zehneinhalb Monaten Haft wegen Befehlsverweigerung verurteilt.cite-ref-67[67] Scarano wĂ€re der Richterin zufolge der Anordnung des Obergerichtshofs nicht gefolgt, wonach die ihm untergeordnete Gemeindepolizei die Barrikaden der Studenten hĂ€tte entfernen mĂŒssen. AnwĂ€lte der Verteidigung erwiderten, die Lokalpolizei wĂ€re nicht befugt, Barrikaden zu entfernen, wenn es dort Demonstranten gĂ€be und dass die Nationalpolizei in diesem Fall heranrĂŒcken mĂŒsste. Verschiedene Oppositionspolitiker behaupteten, die Regierung Maduros wolle lediglich Scarano ausschalten. Der Nationalrat rief zu Neuwahlen in der Gemeinde San Diego ein.cite-ref-68[68]
Mai
Am 8. Mai lösten die venezolanischen MilitĂ€rs die Studentenlager auf. Ăber 243 Studenten wurden festgenommen.cite-ref-69[69]
Verlauf 2016
September
Im September 2016 demonstrierten Hunderttausende gegen die Verschleppung des Abwahl-Referendums gegen den PrÀsidenten.cite-ref-70[70]
Oktober
Verlauf 2017
April
Am 19. April 2017 setzten in Caracas Demonstranten bei Auseinandersetzungen mit SicherheitskrÀften Steine und Molotowcocktails ein. Polizei und Nationalgarde setzen TrÀnengas und Gummigeschosse ein, um die Demonstrationen aufzulösen. In Caracas wurde ein 17-jÀhriger Oppositioneller von bewaffneten Motorradfahrern in den Kopf geschossen. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Ebenfalls Schussverletzungen unbekannter Motorradfahrer erlag in der im Westen des Landes gelegenen Stadt San Cristóbal, Hauptstadt des Bundesstaates Tåchira, eine 23-JÀhrige. Auch aus den Bundesstaaten Zulia, Carabobo, Mérida und Anzoåtegui wurden Unruhen mit zahlreichen Verletzten gemeldet.cite-ref-72[72]
20./21. April: Bei nĂ€chtlichen Unruhen in Caracas kamen zwölf Menschen ums Leben, sechs wurden verletzt. Im Stadtteil El Valle kam es zu PlĂŒnderungen und Brandschatzungen. Allein acht Todesopfer forderte ein Stromschlag durch ein Hochspannungskabel, als sie in einer BĂ€ckerei einen KĂŒhlschrank stehlen wollten. Andere Demonstranten erlagen Schussverletzungen.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]
PrĂ€sident Maduro kĂŒndigte an, die âColectivosâ, regimetreue Milizen, auf 500.000 Mann aufzustocken und alle zu bewaffnen. Niemand weiĂ genau, woher diese repressiven paramilitĂ€rischen Gruppen ihre Befehle erhalten.cite-ref-75[75]
Mai
Am 1. Mai 2017 erklÀrte Maduro, er wolle eine 500-köpfige verfassunggebende Versammlung einberufen, die eine neue Verfassung ausarbeiten solle. Parlament oder Opposition sollten bei der Auswahl der Mitglieder nicht beteiligt werden.cite-ref-76[76] Auch dagegen wurde demonstriert und bis am 6. Mai 2017 waren bei allen Protesten insgesamt 37 Personen zu Tode gekommen.cite-ref-77[77]
Am 7. Mai 2017 wurde Liborio Guarulla, der Regierungschef des Bundesstaates Amazonas (Bundesstaat Amazonas), wie davor schon Henrique Capriles, von der venezolanischen Bundesregierung fĂŒr 15 Jahre von politischen Ămtern ausgeschlossen.cite-ref-78[78]
Beim Versuch der Ausreise nach New York, um vor der UN-Menschenrechtskommission ĂŒber seine Sicht der aktuellen Situation in Venezuela zu berichten, wurde dem OppositionsfĂŒhrer Henrique Capriles der Reisepass fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt und ihm damit die Ausreise verweigert.cite-ref-79[79] Nachdem es in der von deutschen Auswanderern gegrĂŒndeten Colonia Tovar zu Ausschreitungen gekommen war, wurde die Stadt am 19. Mai 2017 unter MilitĂ€rkontrolle gestellt.cite-ref-80[80]cite-ref-81[81]
Juni
Am 27. Juni kam es zu einem vermeintlichen Hubschrauberangriff auf das GebĂ€ude des Obersten Gerichts, welches gerade tagte. Es wurden Handgranaten geworfen, die aber nicht explodierten. Dass der Vorfall von der Regierung inszeniert wurde, wird nicht ausgeschlossen.cite-ref-82[82] Die Gruppe um Ăscar PĂ©rez bekannte sich zu der Aktion.cite-ref-83[83]
Juli
Anfang Juli stieg die Zahl der Toten im Rahmen der Proteste auf 90 Menschen.cite-ref-neunzig-84-0[84] Die GeneralstaatsanwĂ€ltin Luisa Ortega DĂaz kritisierte, dass sie bei ihren Ermittlungen gegen Nationalgardisten, Polizisten und regierungstreue Milizen durch das Innenministerium und das Verteidigungsministerium behindert wĂŒrde.cite-ref-neunzig-84-1[84]
Am 5. Juli stĂŒrmten paramilitĂ€rische Revolutionsmilizen das Parlament.cite-ref-85[85] Es sollte eine Sitzung zur Organisation einer Volksabstimmung ĂŒber die verfassungswidrige Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung gestört werden. Trotz der Störung einigte sich das Parlament darĂŒber, am 16. Juli das Volk zu fragen. Bei dem Angriff wurden mehrere Abgeordnete und einige Angreifer verletzt. Unter den Angreifern konnte die Revolutionsmiliz Movimiento Revolucionario 23 de Octubre (RevolutionĂ€re Bewegung 23. Oktober) identifiziert werden, einige Angreifer schwenkten die schwarzen Fahnen dieser Organisation.cite-ref-86[86] Die Regierungspartei PSUV verteidigte den Angriff, nach ihren Angaben wollten friedliche BĂŒrger einen Brief beim Parlament einreichen.cite-ref-87[87]
Am 9. Juli gaben vier FĂŒhrungsfiguren aus dem kritischen Chavismus, nĂ€mlich GermĂĄn Ferrer (PSUV), Eustoquio Contreras (Vanguardia Bicentenaria Republicana), Gabriela RamĂrez und Nicmer Evans (Marea Socialista), eine Pressekonferenz, auf der sie die einseitige und verfassungswidrige Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung durch Nicolas Maduro verurteilten und ihre UnterstĂŒtzung zu der Volksbefragung aussprachen, welche das Parlament fĂŒr den 16. Juli angekĂŒndigt hat.cite-ref-88[88] Im Juli rief die Bewegung nicht-polarisierter Parteien (Movimiento de partidos despolarizados) die Regierung um Nicolas Maduro dazu auf, die verfassungswidrige Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung abzusagen.cite-ref-pnp-89-0[89] Zu der Bewegung nicht-polarisierter Parteien gehören Alternativa Uno, De frente con Venezuela, Fundahumanos, Plataforma ciudadana en defensa de la ConstituciĂłn, Marea Socialista, Movimiento amplio en defensa de todos, Movimiento al Socialismo (MAS), Movimiento soluciones und VisiĂłn 360.cite-ref-pnp-89-1[89]
Am 16. Juli ist die Volksbefragung vom venezolanischen Parlament durchgefĂŒhrt worden, bei der die Venezolaner insbesondere gefragt wurden, ob sie die Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung durch den PrĂ€sidenten Nicolas Maduro ablehnen.cite-ref-90[90] 95 % der Teilnehmer lehnten die Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung durch den PrĂ€sidenten ab. Die Volksbefragung wurde ohne UnterstĂŒtzung der Wahlbehörde durchgefĂŒhrt.cite-ref-91[91] Es nahmen trotzdem 7.535.259 Venezolaner an der Befragung teil.cite-ref-92[92] 2013 wurde Nicolas Maduro nach offiziellen Angaben von ca. 7.500.000 Wahlberechtigten gewĂ€hlt (PrĂ€sidentschaftswahl in Venezuela 2013). Die Beteiligung an der Volksbefragung war auch in der ehemaligen Hochburg des Chavismus Catia hoch. Revolutionsmilizen griffen die WĂ€hler an und lösten die Wahlveranstaltung auf.cite-ref-93[93] Bei dem Angriff wurde eine 61-jĂ€hrige Frau erschossen, die BĂŒrger suchten anschlieĂend in der Kirche El Carmen Zuflucht. Die Kirche wurde anschlieĂend stundenlang von den regierungstreuen Revolutionsmilizen belagert. Unter den Zufluchtssuchenden in der Kirche befand sich auch der Kardinal Jorge Urosa.cite-ref-94[94] Unter den regierungsnahen StoĂtruppen, die auf die WĂ€hler schossen, konnte die Frente Miliciano de Sucre (FMS) identifiziert werden.cite-ref-95[95] Es gibt 2017 mehr als 50 solcher paramilitĂ€rischer, teilweise schwerbewaffneter Revolutionsmilizen, obwohl nach Artikel 324 und 328 (Verfassung Venezuelas von 1999) das Kriegswaffenmonopol beim unparteiischen venezolanischen Staat liegen sollte.cite-ref-96[96]
Dezember
Im Dezember 2017 begannen wieder Proteste.cite-ref-97[97] Dieses Mal hauptsÀchlich von aktuellen oder ehemaligen RegierungsanhÀngern. Die regierungsaffine Bevölkerung verlangte die Einlösung von Versprechen, wie die Verteilung des der subventionierten Lebensmittelpakete CLAP. Bei den Dezember-Protesten distanzierten sich viele RegierungsanhÀnger von der sozialistischen Einheitspartei Venezuelas und protestierten allgemein gegen die Misswirtschaft, den Hunger und die KriminalitÀt.cite-ref-98[98]cite-ref-99[99]
In diesem Monat wurde die OperaciĂłn GĂ©nesis (deutsch âOperation Genesisâ) in Caracas von den AufstĂ€ndischen um Ăscar PĂ©rez durchgefĂŒhrt.cite-ref-100[100] Bei dieser Aktion wurde ein Waffenlager der Nationalgarde ĂŒberfallen, dabei wurden Waffen gestohlen und die anwesenden Nationalgardisten gefesselt. Durch ein TĂ€uschungsmanöver, das Verkleidung beinhaltete, konnte dabei auf Gewalt verzichtet werden, es gab weder Tote noch Verletzte.cite-ref-101[101] Ăscar PĂ©rez und seine AufstĂ€ndischen haben diese Aktion nach dem 1. Buch Mose benannt, eventuell, um anzudeuten, dass dies erst der Anfang ihrer Aktionen bedeutete.
Am 30. Dezember 2017 wurde bei den Dezemberprotesten fĂŒr versprochene Lebensmittel eine junge Frau von einem Nationalgardisten erschossen.cite-ref-102[102]
Verlauf 2019
Januar
Bei landesweit hunderten Protesten im Januar 2019 starben mindestens 35 Menschen. 850 Personen wurden von den SicherheitskrĂ€ften verhaftet. Die Demonstranten bekundeten ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr den ĂbergangsprĂ€sidenten Juan GuaidĂł und dessen Forderung nach PrĂ€sidentschaftsneuwahlen und Hilfslieferungen an die hungernde Bevölkerung.cite-ref-103[103] Anders als 2017 setzte die Regierung fĂŒr die UnterdrĂŒckung der Proteste nicht wie 2014 und 2017 die Nationalgarde ein, sondern sandte die Spezialeinheit FAES, die gezielt ca. 30 Menschen in den Armenvierteln Catia und Petare auĂergerichtlich hinrichteten, um die Ă€rmeren Schichten vom Protest abzuhalten.cite-ref-104[104]cite-ref-105[105]cite-ref-106[106]
Mai
Am 3. Mai 2019 kolportierte der peruanische Journalist Jaime Bayly, dass die venezolanische PrĂ€sidentengattin Celia Flores mit einem russischen Flugzeug in die Dominikanische Republik gereist ist und im luxuriösen Touristenort Cap Cana ein Anwesen fĂŒr 18 Millionen US$ gekauft habe. Es wird spekuliert, ob ihr Ehemann Nicolas Maduro ihr dorthin ins Exil folgen wird.cite-ref-107[107]
Weblinks
Commons
: Proteste in Venezuela 2014
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons
: Proteste in Venezuela 2017
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą VĂctor M. Mijares: Proteste in Venezuela und die Krise des Chavismus, GIGA Focus, 2/2014
⹠«Verglichen mit Chåvez ist Maduro ein Clown», Interview mit dem Politikwissenschaftler Wolf Grabendorff in SRF vom 5. MÀrz 2014
âą Proteste in Venezuela: âMaduro bleibt höchstens noch acht Wochen an der Machtâ, Interview mit Heinz Dieterich in Spiegel Online vom 3. MĂ€rz 2014
Einzelnachweise
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